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Bublitz Programm 2024

Dunkle Konzertszene mit Publikum und blauem Licht, Foto David Lössl

Copyright: David Lössl

Programm Übersicht 2024

 

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Freundinnen und Freunde,

aufgrund zahlreicher Nachfragen und zur besseren Planung möchten wir Ihnen heute einen umfassenden Überblick über die festen Termine und das Programm für das Jahr 2024 geben.

Das Programm für 2024 bietet eine Vielzahl künstlerischer Produktionen und Werke unterschiedlichster Formate und Genres, die Sie in Deutschland, Polen und der Schweiz erleben und besuchen können. Von klassischer persischer Musik über bildende Kunst in Einzel- und Gruppenausstellungen bis hin zu Reflexionen über Erinnerungsstrukturen und deren individuelle und kulturelle Bedeutung.

Elshan Ghasimi ist sowohl als Solist als auch im Duo mit Philipp Püschel oder Hajo Wiesemann zu erleben. Das nächste Konzert findet bereits am 28. April im Rahmen des Houbara Festivals - Resonanzen Iran im Kölner Stadtgarten statt.

Für den Sommer möchten wir Sie schon jetzt zur Einzelausstellung von Sergey Bratkov am 9. Juni im Kunstmuseum Magdeburg einladen. Ein weiteres Highlight erwartet Sie am 17. August mit der Gruppenausstellung NEUE ERINNERUNGEN des EL ARBI BOUQDIB ARCHIVE. Neun Künstlerinnen und Künstler widmen sich darin dem Nachlass des 2016 verstorbenen Mathematikers, Numerologen und Dichters El Arbi Bouqdib und schaffen neue Werke, d.h. neue Erinnerungen an einen Hermetiker und seinen komplexen Kosmos. Zu diesem Anlass eröffnet auch unser neuer Sommerausstellungsort im historischen Pumpwerk Berlin in Grünau.

Wir freuen uns, Sie bei unseren Veranstaltungen begrüßen zu dürfen, mit Ihnen ins Gespräch zu kommen und gemeinsam die Kultur zu feiern.

Mit herzlichen Grüßen im Namen des gesamten Teams

Eleonora Frolov
Julian Malte Hatem Schindele


Eine der kryptischen Arbeiten des Neoromantikers Michal Martychowiec ab dem 19. April in der Rodiguez Foundation in Poszan in der Ausstellung „After“ zu sehen.

After Hiroshima, 2024: Chromaluxe-Druck auf Aluminium mit Glas und Porzellan, ein Go-Brett mit Steinen in einem Holzrahmen

After Hiroshima
2024
chromaluxe print on aluminium, glass, porcelain 48x44x11 cm

Ein erster Einblick in die Arbeit des neuen Duos aus Elshan Ghasimi und Philipp Püschel.

Konstruktionsarbeiten am neuen Ausstellungsort im Pumpwerk Berlin.

Bauarbeiten im neuen Ausstellungsort im Pumpwerk Berlin, Sonnenlicht fällt durch ein Fenster auf einen Arbeiter

Fellowship Sergey Bratkov | Partnerschaft Eleonora Frolov

Sergey Bratkov, Fuck a Star, 1989: Hand mit ausgestrecktem Mittelfinger hält einen Seestern vor Tapete, Schwarz-Weiß

Sergey Bratkov: Fuck a Star (1989)

Sergey Bratkov ist Fellow von Bublitz 2024
Partnerschaft mit der Kuratorin Eleonora Frolov

 

Liebe Leserinnen und Leser,

Als Regimekritiker, politischer Künstler und gebürtiger Ukrainer, ist Sergey Bratkov nicht der erste und mit Sicherheit nicht der letzte, der gezwungen ist und sein wird, Russlands eingeschlagenen Weg für immer verlassen zu müssen:

Das Schicksal Bratkovs und tausender anderer Dissidenten und Intellektuellen wiederholt sich gegenwärtig und erinnert an die verheerenden Repressionen unter Stalin. Mit einer nie dagewesenen Härte und Brutalität drängt der Machtanspruch des Kremls bis weit nach Europa hinein. Hätte Bratkov es je für möglich gehalten, dass sein Lebensweg ihn nach Deutschland führt – nachdem er sich 1995 mit der Fast Reaction Group in der Ausstellung „Wenn ich ein Deutscher wäre?“ mit den Grausamkeiten der deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg auseinandergesetzt hatte?

Sergey Bratkov, Endless War, Videostill, 2010: zwei grüne Stahlhelme auf einem Betonboden vor einer Mauer

Sergey Bratkov: “Endless War” Video Still (2010)

Fast 30 Jahre später und nach dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine, kam Bratkov über die Organisation Artist at Risk nach Deutschland. Diese bietet Unterstützung von Künstlerinnen und Künstlern, deren Freiheit und Leben in Gefahr sind.

Für 2024 würdigt der Berliner Senat Bratkov mit der Fellowship ‚Weltoffenes Berlin‘ und einem Stipendium zur Etablierung seiner künstlerischen Position und Stimme in der neuen Wahlheimat. Bublitz ist Ausrichterin des Stipendiums; Bratkov wird in dieser Zeit von den künstlerischen Leiterinnen Eleonora Frolov und JMH Schindele gefördert und unterstützt. Bublitz ist, nach der Zusammenarbeit 2022 mit der ebenfalls verfolgten iranischen Musikerin und Komponistin Elshan Ghasimi, bereits zum zweiten Mal Projektpartnerin des Senats.

Porträt von Sergey Bratkov, Schwarz-Weiß, 2017

Sergey Bratkov, courtesy of the artist (2017)

Link zu der Ausstellung ‚Heldenzeiten‘ von Sergey Bratkov in den Hamburger Deichtorhallen.

Über zwei Dekaden lehrte Bratkov, der 2007 die Ukraine auf der Biennale in Venedig vertrat, als Professor an der Rodschenko Universität der Künste und bildete zwei Generationen junger Talente aus ganz Osteuropa aus. Als Vertreter der Kharkiwer Schule der Fotografie ist seine Arbeit aktuell in der Ausstellung Ukrainian Dreamers in der Kommunalen Galerie Berlin zu sehen. Das Kunstmuseum Magdeburg richtet ihm und seinen Werken im Sommer 2024 eine Einzelausstellung aus und in Zusammenarbeit mit Bublitz werden künftige Ausstellungsformate entwickelt und konkretisiert.

Auch wenn Sergey Bratkov seine künstlerische Heimat verlassen musste, so ist ihm doch das grausame Schicksal vieler anderer kritischer Stimmen erspart geblieben. Dank der Unterstützung von Freunden, des Berliner Senats und nicht zuletzt von Bublitz kann Bratkov nun im Exil seiner einzigartigen Bildsprache nachgehen und sie in Sicherheit weiterentwickeln.

Die Erweiterung und der Fokus auf Osteuropa entsteht durch die Zusammenarbeit mit der Ausstellungsmacherin Eleonora Frolov. Sie setzt sich federführend mit den Positionen aus Zentral- und Osteuropa und deren Arbeitsweisen, welche durch tiefe Spuren und Risse des ehemaligen Ostblocks geprägt sind, auseinander. Frolov und JMH Schindele gestalten als künstlerische Leitung in Zukunft gemeinsam das Programm der Plattform.

Für Interviewanfragen, Atelierbesuche und weitere Informationen melden sich Interessierte gerne hier.

Herzlich
Eleonora Frolov & JMH Schindele

Sergey Bratkov, Mona Bucha aus der Serie Lost, 2022: Collage mit schwarzem Sarg auf grauer Figur

Sergey Bratkov: “Mona Bucha” aus der Serie “Lost“ (2022)

Partner der Fellowship Weltoffenes Berlin:

Logo der Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt Berlin

Februar 2024 // Veranstaltungen und Festakt zum Brecht-Geburtstag

feel.jazz festival Vol. VII: Elshan Ghasimi am Mikrofon und Philipp Püschel mit Flügelhorn in grünem Licht

© 2024 feel.jazz festival

Liebe Leserinnen,

zum nicht mehr jungen, aber sicherlich noch nicht altem Jahr wünschen wir Ihnen alles Gute, Geist, starke Nerven und Seelenruhe.

Am Samstag, den 3. Februar präsentiert die Tar-Meisterin und Komponistin Elshan Ghasimi zusammen mit dem Jazz-Trompeter und Elektroniker Philipp Püschel zum ersten Mal ihr neues Programm auf dem feel.jazz Festival im Hafenklang in Hamburg.

Tickets und mehr zum Festival, dass am 2. Februar beginnt, finden Sie hier.

Programmtafel „Samstag, 3. Februar 2024“ mit den Auftritten im Goldenen Salon und im Saal, darunter Elshan Ghasimi & Philipp Püschel

© 2024 feel.jazz festival

»Schlage keinen Nagel in die Wand« - Festakt zum Brecht-Geburtstag

Mit Mariam Meetra (Afghanistan), Atefe Asadi (Iran), Yirgalem Fisseha Mebrahtu (Eritrea) und Sveta Ben (Belarus), Musik: Elshan Ghasimi (Iran/Deutschland)

Am Samstag, den 10. Februar um 15 Uhr findet im Innenhof des Brecht-Hauses in Berlin, sowie auf dem angrenzenden Dorotheenstädtischen Friedhof eine besondere Feierlichkeit statt. Bei einem festlichen Auftakt der Brecht-Tage 2024, feiern wir mit der Berliner Öffentlichkeit Bert Brechts Geburtstag mit Exildichterinnenlesungen und Musik. Der Eintritt ist frei!

Mehr Informationen.

Brecht-Tage 2024: Passfoto von Bertolt Brecht mit finnischen Stempeln, Akademie der Künste Berlin

© Akademie der Künste, Berlin, Bertolt-Brecht-Archiv 2967

Für alte und neue Freundinnen des Dorotheenstädtischen Friedhofs, auf dem gefühlt die halbe deutsche Geistes-Elite der vergangen 200 Jahr versammelt ist, u.a. Brecht, Hegel, Fichte, John Heartfield, Herbert Marcuse, Helene Weigel, Anna Seghers, Hans Eisler, Thomas Brasch, Harun Farocki, Günther Gaus, Christa Wolf, ein kleines Schmankerl zum allgemeinen Ergötzen.

Wir freuen uns Sie im neuen Jahr zu unseren Veranstaltungen zu begrüßen, vor Ort ins Gespräch zu kommen, gemeinsam unsere Kulturen hochleben zu lassen und immer tiefer in diese einzutauchen.

 

Ihr Julian Malte Hatem Schindele

Zirkular-Circular 5 | 23 Premiere in Berlin “Nahfernost“

Elshan Ghasimi mit ihrer Tar und ein Musiker mit Shakuhachi vor dem Altar einer Kirche mit bunten Glasfenstern

Liebe Leserin, lieber Leser,

Der künstlerischen Begegnung der persischen Setar-Meisterin und Komponistin Elshan Ghasimi und des Bremer Flötisten und Shakuhachi-Spielers Dieter Weische, entsprang der Wunsch den Dialog dieser beiden Traditionen zu vertiefen. Der Wunsch wurde Idee, und es entwickelte sich ein neues Format: Klassische persische und japanische Musik verschmelzen zu "Nahfernost".

Für das Konzert am 30. September im Salon der Schwartzschen Villa in Berlin hat Elshan Ghasimi neue Kompositionen geschrieben. Die Basis hierfür bilden klassische literaturbasierte Stücke für die Einzelinstrumente. Gemeinsam gehen sie und Dieter Weische der Verwandtschaft von rhythmischer Poesie und Musik nach und zeigen spielerisch Ähnlichkeiten und Differenzen dieser alten Musiktraditionen.

 

Konzertdatum

30. September 2023
20 Uhr (Einlass ab 19:30, Abendkasse ab 19 Uhr)
Tickets 18 € | red. 12 €
Tickets kaufen: https://www.eventbrite.de/e/elshan-ghasimi-dieter-weische-nahfernost-tickets-707449308927

 

Veranstaltungsort

Großer Salon Schwartzsche Villa
Grunewaldstraße 55
12165 Berlin

 

Mehr Informationen
www.elshanghasimi.com | https://www.floete-shakuhachi-bremen.de
© Foto Dieter Weische

Zirkular-Circular 4 | 23 Konzerte & Ausstellungen

Hellblaue einfarbige Fläche, wie ein klarer Himmel

Michal Martychowiec Blue #5 (Upper Lusatia)
(January 2016) chromogenic prints, 175x220 cm

Liebe Freundinnen des Sommers,

Ich möchte auf verschiedene Programmpunkte der Künstlerinnen der Bublitz-Infrastruktur hinweisen.

Zum einen tritt Elshan Ghasimi am 24. August beim internationalen Sommerfestival Kampnagel in Hamburg auf. Am 26. Und 27. August ist sie im Theater im Delphi auf dem Dara String Festival in Berlin zu sehen und vor allen Dingen zu hören. Weitere Informationen und Tickets finden Sie auf den jeweiligen Websites (Links wie immer in grün markiert).

In der einzigartigen Atmosphäre des Wehrmuehle Museum auf der Art Biesenthal zeigt Michal Martychowiec seine, so muss man es wohl sagen, himmlischen Fotographien aus der Serie Blue. Diese werden begleitet, gerahmt und befragt von einer Reihe prometheischer Neonarbeiten. Die Gruppenausstellung mit dem optimistischen wie richtigen Titel Let Life be Beautiful like Summer Flowers wurde von Dan Chen kuratiert und läuft bis zum 24. September. Eine unbedingte Empfehlung an alle Berlinerinnen für einen schönen Spätsommerausflug.

Sollten Sie sich wiederum im Süd-, Südosten der Republik befinden, darf ich Ihnen einen Besuch auf dem Höpfgut in Breitenberg, Niederbayern anempfehlen. Hier fand in diesem Sommer zum ersten Mal die Künstlerinnen-Sommerresidenz BAUHAUS BAVARIA statt. Noch bis zum 3. September ist, als deren Ergebnis, die Ausstellung Beyond Landscape – Über die Landschaft hinaus zu besuchen. In dieser finden sich vor Ort entstandene Arbeiten von Elshan Ghasimi, Rachel Harris, Julius Holtz, Markus Hoffmann, Peter Kees, JMH Schindele und Aline Weyel.

Mit besten Grüßen,
JMH Schindele

Einladung „Beyond Landscape – In die Landschaft hinaus“, Ausstellung im Künstlerresidenzprogramm Bauhaus Bavaria in Breitenberg, 12. August bis 3. September 2023, weiße Schrift auf Blau
Plakat „Let life be beautiful like summer flowers“, Art Biesenthal, 12. August bis 24. September 2023, gelbe Blumenformen und Künstlerliste
Tiefblaue einfarbige Fläche

Michal Martychowiec Blue #3 (Pomerania)
(November 2013) chromogenic prints, 175x220 cm

Premiere des Musikfilms „The Reinterpretation of the Radīf | Dastgāh-e Shur”

Liebe Freundinnen und Freunde,

Der Radīf ist das Repertoire der klassischen persischen Musik. Eine Sammlung von hunderten von Melodien, die in zwölf modulare Systeme, die Dastgāhs und Avâz', unterteilt sind und seit Tausenden von Jahren mündlich überliefert werden.

Die Kontinuität und Lebendigkeit dieser Tradition hängt seit jeher von der erneuernden Weitergabe von einer Generation zur nächsten ab. Seit der Übertragung in westliche Notenschrift und den ersten Tonaufnahmen in der Mitte des 20. Jahrhunderts wurde jedoch keine wirkliche Erneuerung des Repertoires unternommen. So stagniert diese Tradition und droht nun, wegen Mangel an Nachwuchs und der Musikfeindlichkeit des Regimes, abzureißen.

Im Herbst 2022 (1401 im persischen Kalender) hat die iranische Komponistin, Virtuosin und Tar-Meisterin Elshan Ghasimi das erste Kapitel ihrer Neuinterpretation des Radīf nach Mirza Abdollah im Bode-Museum in Berlin uraufgeführt. Sie ist damit die erste weibliche Musikerin, die sich der systematischen Erneuerung dieser klassischen Tradition und des immateriellen Kulturerbes widmet.

Die Filmemacher Stefan Stark und Pujan Shakupa (Stark & Shakupa) haben sich mit der Künstlerin und mir, als künstlerischen Leiter zusammengesetzt, um „diese alte Tradition mit neuen Bildern“ zu beleben. Das Ergebnis ist ein Musikfilm und Dokument von außergewöhnlicher Schönheit, Sensibilität und Farbigkeit: The Reinterpretation of the Radif | Dastgāh-e Shur.

 

Erquickliche Sommertage wünscht im Namen aller Beteiligten,
Ihr Julian Malte Hatem Schindele

Elshan Ghasimi spielt Tar in rotem Licht, Filmstill aus „The Reinterpretation of the Radīf“, 2023

© Stark & Shakupa