Elshan Ghasimi und Wu Wei im Humboldtforum | Die Reinterpretation des Radifs

Liebe Leserinnen und Leser,

Zuallererst wünsche ich Ihnen im Namen der Bublitz-Plattform ein – vom Gott, der Göttin oder der Entität Ihrer Wahl – gesegnetes neues Jahr! Das bereits jetzt ein wildes Jahr gewesen ist und dessen weitere Turbulenzen wir in Unruhe spüren. Warum sind wir Europäer so verschreckt? Ohne Frage mangelt es uns an Identifikation und Kontakt mit unserer eigenen kulturellen Tiefenstruktur, unserem Gewordensein. Und damit auch an einem festen Ort in Raum und Zeit. Früher hätte man vielleicht von metaphysischer Obdachlosigkeit gesprochen. Wir haben unsere Wurzeln gekappt, die Technologie tut ihr Übriges mit einem Gehirn, das, wie die Neurophysiologen sagen, noch auf Steppe und Säbelzahntiger konditioniert ist.

Eine drängende Frage bleibt, worauf wir uns als Europäer, als linke, rechte oder zentristische Demokraten, einigen können. Wir müssen unsere Marianne finden. Worauf wir stolz sein können und wollen. Finden, was unser Selbstverständnis als Kulturen ausmacht. „Stolz“, ein Begriff, den die Elterngeneration mit allem historischen Grund auseinandernahm und der doch jetzt wieder nottut. Den Kopf heben, auf Augenhöhe mit der Gefahr kommen (B. Brecht). Wir dürfen den Extremen niemals unsere Geschichte überlassen und müssen deshalb lernen, sie nicht mehr zu verachten. Nennen wir es Patriotismus oder nennen wir es Kontakt mit dem guten Gegebenen und ein Vertrauen in dieses.

Der ‘Temple of Time’ von Emma Willard, 1851. Ein historistisches Juwel.

Der ‘Temple of Time’ von Emma Willard, 1851. Ein historistisches Juwel.

Pallas Athena ist Patronin von Elshan Ghasimis Radif-Erneuerung.

© Georg Stirnweiß. Pallas Athena ist Patronin von Elshan Ghasimis Radif-Erneuerung.

Europa ist ein strahlendes Leuchtfeuer globaler kultureller Erneuerung! Nirgendwo sonst entfalten sich so viele hochkulturelle kreative Energien und Begegnungen wie hier.

Es ist eine unermessliche Errungenschaft, dass unser Kontinent Kulturschaffenden aus aller Welt eine Heimat bietet. Europa ist eine Plattform für Freiheit, Vielfalt und die Erneuerung ihrer Kulturen aus dem Exil – das ist Soft Power.

Künstlerinnen und Künstler aus Ländern wie dem Iran, der Ukraine oder Russland finden hier Raum, um ihre Visionen zu verwirklichen und ihre Kulturen aus der Ferne zu erneuern.

Am Mittwoch, 12. Februar 2025, von 18:00 bis 20:00 Uhr, findet ein musikalischer Dialog im Humboldt Forum statt. Der chinesische Instrumentalvirtuose Wu Wei (Sheng) und die persische Virtuosin Elshan Ghasimi (Tar) treten erstmalig gemeinsam auf. Wei und Ghasimi sind Mitglieder des Sabdagatitara-Netzwerks und gestalten einen musikalischen Austausch, der verschiedene kulturelle Traditionen miteinander verwebt.

Darüber hinaus lädt Elshan Ghasimi am Sonntag, 23. Februar 2025, um 16:00 Uhr in der Emmaus-Kirchengemeinde (Zehlendorf) zu ihrem Langzeitprojekt "Die Reinterpretation des Radif". Ein Konzertzyklus, das die tiefen kulturellen Schichten und musikalischen Traditionen Persiens in die Gegenwart zieht.

Ein letzter Aspekt, den ich in diesem skizzenhaften Abriss bringen möchte: Suchen wir wieder die Identifikation mit der paneuropäischen Tiefenkultur. Was heißt das konkret? Das wir alle Griechen sind, denn was könnte schöner sein, als sich mit Sappho, Newton, Marc Aurel oder Hildegard zu identifizieren? Feiern wir uns und unsere Geschichte. Feiern wir gemeinsam.

Mit herzlichen Grüßen
Julian Malte Hatem Schindele

KURZINFO

 

SabdaLab12 – Zeitdieb der Seidenstraße

Datum: Mittwoch, 12. Februar 2025
Zeit: 18:00 – 20:00 Uhr
Ort: Humboldt Forum, Berlin
Treffpunkt: 18:00 – 18:15 Uhr im größeren Innenhof (Schlüterhof) vor dem Museumsshop
Eintritt: Frei
Künstler: Elshan Ghasimi & Wu Wei
Mehr InfosSabdaLab12 – Zeitdieb der Seidenstraße

 

Die Reinterpretation des Radif

Datum: Sonntag, 23. Februar 2025
Zeit: 16:00 Uhr
Ort: Emmaus-Kirchengemeinde
Adresse: Onkel-Tom-Straße 80, 14169 Berlin
Kontakt: Tel.: 030 813 4008
Eintritt: Frei
Mehr InfosElshan Ghasimi – Konzerte

© Madeleine Brunnmeier. Klicken Sie auf das Foto, um zur Einspielung des „Dastgah e- Shur“ – einem von zwölf modalen Gruppen die den Radif ausmachen, zu gelangen.