Bublitz. Thesaurós. Uhlandstraße.
Programm 2020

 

μυθοποίηση
Tempel auf Zeit
T 1

Laufzeit: 16. Februar bis 29. März 2020
Öffnungszeiten Dienstag & Samstag 15 – 18 Uhr

Programm & Veranstaltungen:

16. Februar 2020, Sonntag, ab 16 Uhr        Eröffnung
29. Februar 2020, Samstag, 16 Uhr            SPRECHSTUNDE. GABRIEL
14. März 2020, Samstag, 18 Uhr                 Gott lacht. Berliner Philoquium I: Genius mit Reinhard Knodt und Gästen
20. März 2020, Freitag, ab 20 Uhr             Hölderlin Geburtstag

SPRECHSTUNDE

29. Februar 2020, Samstag, 16 Uhr

Könnte ein fernmündiges Gespräch aus verschiedene Sichtweisen im gleichem Sinne informativ, rekreativ, kognitiv, impulsiv, kongruent, unerwartet, ja sogar Zauber sein?

Sind wir im Stande in der heutige Zeit gewagt und ehrlich miteinander zu entsprechen?

Ich lade Sie ein in SPRECHSTUNDE, auf einen „Abendspaziergang“.
Die Natur kennt keine Grenzen.
„Sprich oder höre zu.“
Beides zeitgleich lässt das Gespräch verblassen.
All Ihre Fragen sind die Erben der graue Erde.
Dieses Erben ist die Ernte noch vor ich zu Asche werde.

SPRECHSTUNDE: In 60 Minuten versorgen Wir, GABRIEL und Edwin William Moes, Sie mit Klarheit über Uns und die gemeinsame Arbeit.

GABRIEL SPRECHSTUNDE

Gott lacht.
Der geheime Polytheismus unserer Zeit
1: Genius

14. März 2020, Samstag, 18 Uhr

Philosophie, Kunst und Religion sind nach Hegel die Formen des absoluten Geistes. Ob Gott allerdings eifersüchtig ist oder gerecht, gnädig oder tot, wie Nietzsche sagte oder ob wir uns auf eine lange Habermasianische Hölle „nach Gott“ einstellen müssen, ist nun lange genug verhandelt. Wir sagen fröhlich: „Gott lacht!“ Er muss geradezu Humor haben angesichts unserer Versuche mit seinen Erscheinungweisen, vor allem in der Kunst. Im Bublitz. Thesaurós. Uhlandstraße. findet in Anlehnung an die jeweilige Ausstellung alle zwei Monate ein Berliner Philoquium statt, das uns ins Pantheon eines der lachenden Götter der Kunst und der Philosophie führt. Die sechs Abende sind auf zehn Teilnehmer begrenzt. Zu Anfang gibt es eine lokalisierende Einführung, dann wird das Gespräch eröffnet. Willkommen ist jeder. Der Eintritt ist frei, um Anmeldung wird gebeten ([email protected]).

Mit Reinhard Knodt und Gästen

Zur Person

Reinhard Knodt ist Schriftsteller und Philosoph. Literaturpreisträger der Bayerischen Akademie. Von 2003
bis 2015 lehrte er Kunstphilosophie an der UDK Berlin.

Von Reinhard Knodt

Die Tradition des Gottesbegriffs reicht vom eifersüchtigen rächenden Gott des jüdischen Exodus bis zu den christlich rationalen Entwürfen des gerechten, strafenden und belohnenden Gottes der Vorsehung (Leibniz). Dass Gott nunmehr „tot“ sei und daher „alles erlaubt“, ist Nietzsches Floskel des neunzehnten und zwanzigsten Jahrhunderts, die den Existenzialismus hervorbrachte. „Nach Gott“ so Peter Sloterdijk heute, herrschen die Rationalisierungshoffnungen des herrschaftsfreien Diskurses (Habermas) und die Verlockungen der Korrespondenzphilosophie und Resonanzsoziologie (Rosa).

Tatsächlich aber könnte man argumentieren, dass Gott nie gestorben ist, dass er - etwa in den Gestalten unseres künstlerischen Arbeitens - sogar vielfältig erscheint und dass es ihm dabei sogar außerordentlich gut geht. Der europäische „Nihilismus“ ist dann in Wirklichkeit die Entstehung eines neuen polytheistischen Himmels unter dem Schlagwort der „Kunstreligion“. Ja, die Kunst selber wurde schließlich bis heute in fast unheimlich anmutenden Folgerichtigkeit zum „Weg des Westens“, wie es einmal Liane Dirks im Sinne Zen-buddhistischer Gedankenzüge formulierte.

Wie sieht das heutige Pantheon des lachenden Gottes aus? Welcher „Religion“ gehören heutige „spirituelle Wanderer“, Künstler und Philosophen an? Wie sehen Menschenbilder und wie sehen Kunstwerke aus, die sich mit den Denk-Figuren des „Pilgers“, der „Weihe“, des „Durchbruchs,“ des „Genius“ usw. beschäftigten? Jacob Böhme formulierte noch, dass er in einer überwundenen persönlichen Krise „durch der Höllen Porten durchgebrochen“ sei. Wir denken heute an „Durchbruch“ eher, wenn ein Künstler allgemeine Aufmerksamkeit erringt. Die Römer glaubten an einen privaten Genius als Schutz-Gott, dem sie zum Geburtstag Kuchen und Wein opfern müssten. Giorgio Agamben redet von der „Verdunkelung“ des Genius desjenigen, der nicht seinem Ich folgt, sondern einer Karriere; und Rolf Elberfeld erinnert neuerdings auf der Basis von Nishida Identitäten, die eher in einem Heideggerschen „Zwischen“ aufgehen, statt das bisher so wertvolle abendländische Selbstsein zu propagieren.

In den sechs „Berliner Philoquien“, (Abendgesprächen), die Reinhard Knodt unter dem Motto „Gott lacht“ ab 14. März abhält, wird es um Phänomene des „Göttlichen“ gehen und um die immer gleiche Frage, wie wir heute der Spur folgen, die besagt, dass „Kunst, Religion und Philosophie“ jene Formen des „absoluten Geistes“ seien, die keinesfalls nur „vernünftig“, wohl aber sehnsüchtig nach Weisheit sind und die daher immer wieder neue Götter und Dämonen erzeugen und zuletzt vielleicht sogar einen lachenden Gott, dessen Perspektive selbstverständlich jeder Künstler und jeder Philosoph im Grunde seines Herzens anstrebt.

Die sechs Abende sind auf zehn Teilnehmer begrenzt. Das erste Gespräch findet statt am: 14. März 2020 um18.00 Uhr statt. Zu Anfang gibt es eine lokalisierende Einführung, dann wird das Gespräch eröffnet. Willkommen ist jeder. Der Eintritt ist frei, um Anmeldung wird gebeten ([email protected]).

Bonze des Humors

Hölderlin Geburtstag

20. März 2020, Freitag, ab 20 Uhr

Zum 250. Geburtstag von Friedrich Hölderlin laden wir Sie ein, diesen, in Ihrem Sinne, gemeinsam im Thesaurós zu begehen. Im besten verstanden als ein ERANOS und eine Buddelparty (neudeutsch: BYOB), in der die Gäste – und das sind wir alle – dem Andenken eine Form geben und veranstalten, was sie wollen und tragen können.

Bringen Sie, was Sie denken, was dieses imaginäre Zeremoniell erfordert. In Stille oder in Heiterkeit, Hymnen, Gedanken, Zitate & Rezitationen, Erfahrungen, Erinnerungen, Memorabilia, Brot & Wein ...

Friedrich Hölderlin an Casimir Böhlendorf (Ausschnitt)

„Nürtingen, den 2. Dezember 1802

Schreibe doch nur mir bald. Ich brauche Deine reinen Töne. Die Psyche unter Freunden, das Entstehen des Gedankens im Gespräch und Brief ist Künstlern nötig. Sonst haben wir keinen für uns selbst, sondern er gehöret dem heiligen Bilde, das wir bilden. Lebe recht wohl!

Dein H.“

 

Brod & Wein (1802) von Friedrich Hölderlin. Rezitation Bruno Ganz.

℗ 1984 ECM Records GmbH, under exclusive license to Deutsche Grammophon GmbH, Berlin

Das Gedicht ist streng durchkomponiert. Es besteht aus 3 × 3 Strophen, jede Strophe wiederum aus 3 × 3 Distichen. Die Begriffe "Brot" und "Wein" symbolisieren nicht nur die Bestandteile des Abendmahls in der christlichen Liturgie, sondern auch die Gaben der Demeter und des Dionysos.

So werden christliche und antike Konnotationen miteinander verschränkt wie es auch in der Identifikation Hölderlins von Christus mit dem 'Kommenden Gott' Dionysos geschieht.

Statue von Friedrich Hölderlin in Nürtingen
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