Paar #11: 1968–2019 (Werkzeuge)

von

GABRIEL in Zusammenarbeit mit
Julian M. H. Schindele

 

Jahr

1968–2019

 

Maße

24 × 25 × 33 cm

 

Material

Springerstiefel

 

Preis

auf Anfrage

Paar #11: 1968–2019 (Werkzeuge)

Diese Stiefel sind ein generationenübergreifendes Performance-Relikt und ein Erinnerungsobjekt par excellence.

Zum einen sind sie das elfte Paar Schuhe, das Gabriel auf seiner Pilgerschaft WEG durchlaufen hat. „Mein wichtigstes Werkzeug von August bis Oktober 2019.“ Spezifisch spielen sie in den Marianischen Antiphonen als symbolische Instrumente eine exponierte Rolle. So ist das Abstellen und die Reinigung dieser in der ersten Marianische Antiphone das Leitsymbol für den Akt, nach langer Reise endlich nach Hause zu kommen. Auf der Tafel heißt es dazu: „Gabriel putzt seine Stiefel auf dem Hauptplatz der alten Templerburg. Heimkehr und Einkehr, der Soldat kommt nach Hause – sind seine Gedanken.“

Das Laufen ohne Schuhe ist zudem ein wiederkehrendes Zeichen in der Bewegungsgrammatik des Künstlers. In dieser Performance betritt er, man könnte es als Geste der Demut lesen, barfuß das Convento de Cristo. Die Stiefel tragen noch viele weitere Erinnerungsschichten und Vor-Geschichten ihrer Wanderung:

Kurz vor dem Aufbruch des Fotografen Stefan Hähnel nach Portugal, teilte Gabriel ‚seinem Kurator‘ Julian M. H. Schindele mit, dass nun auch das zehnte Paar Schuh in Auflösung begriffen sei. Intuitiv stieg bei Schindele der Gedanke an ein Paar Schuhe auf, die er beim Verlassen des Elternhauses, als Langzeit-Faszinosum und kurioses Objekt, konfisziert hatte (leider waren sie drei Nummern zu groß). Sein Vater hatte ihm, bereits in der frühen Kindheit und sehr bilderreich ihre Geschichte und ‚Einsatzgebiete‘ geschildert:

So kaufte Bernd Bublitz diese Springerstiefel 1967 während des Medizinstudiums. Anlass bot der Beitritt zum kommunistischen Kieler Thälmann-Kampfbund. Der Gedanke an politische Agitation, Demonstration und mehr ist also ihr Kaufgrund. Agilität und Bewegung auf den Straßen in der Zeit der sanften 68er Revolution ihr Ursprung.

Ein weiteres wichtiges Datum im Lauf der Schuhe ist der 28. Februar 1981. An diesem Tag fand, trotz Demonstrationsverbot, eine Großdemonstration bei Brokdorf in der Wilstermarsch statt. Rund 100.000 Menschen versammelten sich, um gegen den Weiterbau eines Atomkernkraftwerks zu demonstrieren. Ein Symbol des Widerstands und ein Schlüsseldatum, das vielen noch in Erinnerung sein dürfte. Und auch für die damals blutjunge Grüne Partei, die in den Narrativen unserer heutigen Welt so maßgeblich geworden ist, ein zentraler Moment.

Mit diesen Gedanken im Hinterkopf, gab Schindele die Schuhe dem Fotografen Hähnel nach Portugal mit. So gingen sie von Hand zu Hand, von Generation zu Generation über einen Zeitraum von über 50 Jahren. Und vielleicht ist es kein Zufall, dass die Reise der Schuhe in der politischen Sphäre begonnen hat und in die den Sphären der Kunst mündet.


Weitere Werke der Ausstellung

Künstler GABRIEL & JMH Schindele
Name Zwei Antlitze – Die Wegkapellen-Madonna und die ephesische Artemis
Größe 67 × 21 × 15 cm / 29 × 18 cm
Jahr 2020

Künstler GABRIEL & JMH Schindele
Name Marianische Antiphonen I (Tafel)
Größe 80 × 120 cm
Jahr 2020

Künstler GABRIEL & JMH Schindele
Name Zwei Autoren: Feldarbeiter – Hausarbeiter
Größe 111 × 38 × 50 cm
Jahr 2020

Künstler GABRIEL
Name MA I – Die geleitete Feder
Größe 80 × 120 cm
Jahr 2019

Künstler GABRIEL
Name Urraum Altar & Die Dritte Waschung oder die Honigtaufe (Werkzeuge)
Größe 20 × 50 × 50 cm
Jahr 2017-2019

Künstler GABRIEL
Name MA I – Die Dritte Waschung oder die Honigtaufe
Größe 200 × 135 cm
Jahr 2019

Künstler GABRIEL
Name Die Pflanze homo absconditus
Größe 175 × 31 × 31 cm
Jahr 2020

Künstler GABRIEL & JMH Schindele
Name Paar #11: 1968–2019 (Werkzeuge)
Größe 24 × 25 × 33 cm
Jahr 1968–2019

Künstler GABRIEL & JMH Schindele
Name Karte I – 15.9.2015–7.8.2019
Größe 54 × 97 cm
Jahr 2019

Künstler Unbekannter Künstler (Frankreich)
Name Titel unbekannt
Größe 23 × 13 × 13 cm
Jahr spätes 19. Jhd.

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